5 Fragen an... Thiemo Kraas

  • 11.08.2010
  • 5 Fragen an

1. Wer sind Sie und wo kommen Sie her?

Aufgewachsen bin ich im Sauerland, einem Gebiet mit einer wunderschönen Natur und Landschaft. In meiner Familie spielte die Musik immer schon eine wichtige Rolle: Meine Eltern und Großeltern sind sehr musikalisch und boten mir schon früh die Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen und mit anderen gemeinsam im Orchester zu musizieren. Ich hatte das große Glück, zwei hervorragende Instrumentallehrer gefunden zu haben, die mich sehr förderten. Nebem meinem Hauptinstrument Schlagzeug erlernte ich später Klavier und bekam Unterricht in Musiktheorie/Tonsatz und Gehörbildung. Nach meinem Diplom an der Hochschule für Musik in Detmold habe ich eine Festanstellung als Dirigent und Musikpädagoge in einem Jugendorchester in Gütersloh angetreten, wo ich seitdem arbeite und lebe. Immer wieder gerne kehre ich in meine Heimat zurück und tanke neue Kraft und Inspiration zum Komponieren. Ich bin ein Naturmensch und liebe es zu spazieren und neue Ideen zu sammeln.

2. Warum sollte jemand Komponist werden? Warum sind Sie es geworden?

Es war nicht der Wunsch, Komponist zu werden, der mich veranlasst hat Musik zu schreiben. Es war und ist vielmehr eine Art "inneres Bedürfnis", ein Gefühl oder einen Moment auf musikalische Art und Weise einzufangen und auszudrücken. Das Komponieren hilft mir sehr; es ist eine Art Ventil. Ich glaube, dass meine Musik häufig sehr emotional ist, weil ich es selbst bin. Ein Musikstück hat die einzigartige Möglichkeit, Menschen miteinander zu verbinden und Emotionen zu wecken. Immer wieder fasziniert es mich, wie ein Orchester zu einem Organismus zusammen schmelzen kann, um sich einer gemeinsamen Sache zu widmen. Es ist ein wunderbares Gefühl, Musik schreiben zu dürfen, die Menschen miteinander vereint, aber gleichzeitig auch jedem einzelnen persönliche Assoziationen ermöglicht. Ich mag es sehr, mich zurückzuziehen und intensiv der Arbeit an einer Partitur zu widmen. Die Musik gibt mir unglaublich viel Kraft; ich bin sehr glücklich, sie als meinen Beruf haben zu dürfen.

3. Welches Werk der Geschichte hätten Sie gerne komponiert. Warum?

Eine sehr schöne, aber auch sehr schwierige Frage. Es fällt mir schwer, mich auf nur eine Komposition zu beschränken. Es gibt so viel einzigartige Musik. Interessanterweise jedoch gibt es Werke, die mich immer zu begleiten scheinen und mich immer wieder aufs Neue faszinieren: Ich denke zum Beispiel an Beethovens 7. Sinfonie, Schuberts "Unvollendete", oder Frank Martins "In Terra Pax". Jede Art von Musik - sei es Orchester-, Kammer- oder Chormusik - hat ihre individuelle Schönheit. Ich glaube, das ist es, was mich neugierig werden lässt und begeistern kann.

4. Welches Musiker-Klischee ist Ihnen das liebste? Warum?

Ein in meiner Umgebung häufig verbreitetes Klischee war und ist, dass die meisten Musiker "ein klein wenig verrückt" seien. Mir ist dieses Klischee das liebste, weil ich glaube, dass nur wenige Berufsgruppen ein so persönlich-emotionales Verhältnis zu ihrem Beruf haben, wie Musiker. Ich glaube, das kann einen manchmal schon "ein wenig verrückt" werden lassen. Allerdings deute ich dies in einem ausschließlich positiven Zusammenhang: Musik kann uns verzaubern, uns unserer "normalen" Welt "entrücken", oder diese für einen Moment eben ein wenig "verrücken". Mir macht es also nichts aus, oder ganz im Gegenteil genieße ich es, dass mein Leben manchmal ein wenig "verrückt" ist; eröffnet uns diese Tatsache doch so wundervolle Eindrücke, Begegnungen und Momente...

5. Was wünschen Sie sich, was die Musikwelt in 20 Jahren über Sie sagen soll?

Ich hoffe, dass meine Musik die Kraft hat, die Menschen zu erreichen, ihnen ganz persönliche Momente zu schenken. Ich glaube, das wäre bzw. ist eines der größten Geschenke, die ich mir vorstellen kann. Wenn mir ein Musiker sagt, dass ihm meine Musik gefällt, sie ihn träumen und nachdenken lässt, bin ich zutiefst glücklich und zufrieden. Das ist es, was diesen Beruf so einzigartig macht und mir stets neue Impulse und Inspiration zum Arbeiten schenkt.

 

 

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