5 Fragen an Simon Ertl

  • 27.02.2015
  • 5 Fragen an
  • Klaus Härtel

Das Woodstock der Blasmusik feiert Jubiläum. Was hat Sie eigentlich damals bewogen, dieses Festival aus der Taufe zu heben?

Mit dem Woodstock der Blasmusik wollten wir ein Festival mit völlig neuem Festivalcharakter speziell für Blasmusikfans und Musikliebhaber schaffen – auch der Name sollte eben auf die Einzigartigkeit unseres Festivals hinweisen – und wir glauben, dass uns dies recht gut gelungen ist. Nach fünf Jahren werden wir in der Presse oft als das »schrägste und musikalisch vielfältigste Festival Österreichs bezeichnet«, was uns dann doch ein klein wenig stolz macht.

»Blasmusik ist wieder ›in‹« hört man öfters als Erkenntnis aus der Veranstaltung. War Blasmusik denn jemals »out«? Was ist Ihre persönliche Beziehung dazu?

Ich glaube nicht, dass Blasmusik jemals »out«, sondern immer schon salonfähig und massentauglich war. In Österreich zum Beispiel gibt es in jedem Ort mindestens eine Musikkapelle, wodurch sehr viele Menschen in unterschiedlichster Art und Weise schon immer mit Blasmusik konfrontiert wurden. Sei es bei diversen Festivitäten, Frühschoppen, Konzerten oder bei den unterschiedlichsten traditionellen Anlässen. Auch ich bin in meinem heimischen Musikverein mit Blasmusik aufgewachsen und war bereits im Alter von sieben Jahren als »Trommelbub« tätig. Folglich sind mir die Blasmusik und mein Musikverein auf meinem Weg von der Musikschule bis hin zum Musikstudium und meiner Zeit als Musiker ständig treue Begleiter.

Umso mehr freut es mich, dass wir auch einen Teil dazu beitragen könnten, dass Blasmusik nun aber plötzlich auch festivalfähig geworden ist und es vor allem bei jungen Menschen ein verstärktes Bekenntnis zur Volks- und Blasmusik gibt.

Wenn Sie nun ein kurzes Resümee »5 x Woodstock« ziehen: Was sind ihre Top Fünf der unvergesslichen Momente?

Da so ein Festival von zahlreichen, meistens positiven Eindrücken geprägt ist, ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Ich versuche es aber trotzdem mal: Einer der sicherlich unvergesslichsten Momente war der Auftritt von LaBrassBanda im vergangenen Jahr vor knapp 7000 Besuchern. Wenn man hier dann als Veranstalter auf der Bühne in die Menge blickt, macht dies dann ehrlich gestanden sehr viel Freude.

Unvergesslich bleibt dann auch der Organisationsstress im ersten Festivaljahr, wo wir bei weitem nicht mit solch einem Besucheransturm gerechnet haben. Improvisieren stand hier an oberster Stelle. Aus diesem Jahr haben wir folglich viele Lehren gezogen und konnten die weiteren Jahre unser Festival kontinuierlich in alle Richtungen verbessern.

Von den zahlreichen schönen und vor allem auch lustigen Stunden mit Kollegen, Musikern, Helfern, Freunden und meiner Familie im Backstage-Bereich gibt es viele unvergessliche Momente, die nicht nur mir lange in Erinnerung bleiben werden. Ein weiteres, besonders für mich unvergessliches Erlebnis war der Moment im Backstage-Bereich vor dem Auftritt der Band »Tower of Power«. »Tower of Power« waren unter anderem die musikalischen Helden meiner Jugend und haben mich ständig in meinem CD-Player begleitet. Da das Konzert beim Woodstock ihr Tourstart war, haben sich die Musiker Arm in Arm alles Gute für die kommende anstehende gemeinsame Zeit gewünscht. Ihr Bandleader Emilio Castillo hat mich zu diesem sehr intimen Moment dazu gebeten und sich bei mir bedankt, dass sie heute vor so toller Kulisse musizieren dürfen. Arm in Arm mit David Garibaldi (Drummer) und Emilio Castillo – ein für mich unvergesslicher Moment.

Es gibt aber auch nicht ganz so positiv behaftete Erlebnisse, die aber leider zur Organisation eines Festivals dazugehören: unter anderem standen wir im vorigen Jahr beim Konzert von da Blechhauf’n aufgrund einer wirklich heftigen Sturmwarnung kurz vorm Abbruch des Konzerts und einer Räumung von 6000 Personen und des gesamten Konzertgeländes. Den Moment, wie ich den Weg zur Bühne gegangen bin und mir eine Durchsage für die Räumung überlegt habe, bleibt mir in negativer Erinnerung. Zum Glück hat mich aber dann vor der Bühne gerade noch ein Funkspruch eines heimischen Meteorologen erreicht, der ­gemeint hat, das anstehende Gewitter wird genau am Festivalgelände vorbeiziehen, wir sollen noch zehn Minuten mit der Räumung warten – denn so war es dann auch. Glück gehabt.

Zugegeben, schwere Frage für Sie als Veranstalter: Auf welche Verpflichtung beim Woodstock 2015 sind Sie besonders stolz? Und warum?

Stolz sind wir heuer auf die erneut, wie wir meinen, unglaublich breite musikalische Vielfalt. Mit der neu ins Leben gerufenen »Allerhand Stage« haben wir das musikalische Genre nochmals erweitert und dürfen heuer zu unserem fünfjährigen Jubiläum mittlerweile 55 Bands beim Festival willkommen heißen.

Warum hat eigentlich Stefan Mross noch nicht zugesagt?

Da ich Konzertfach Trompete an der Musikuniversität Wien studiert habe, erübrigt sich diese Frage, oder?

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