5 Fragen an... Gottfried Veit

1. Wer sind Sie und wo kommen Sie her?

Mein Name ist Gottfried Veit. Ich bin ein recht vielseitiger Musiker, der sich vor allem der Blas- und Bläsermusik widmet, sich aber auch für alle anderen Bereiche der Musik leidenschaftlich einbringt. Musikalisch bin ich als junger Klarinettist aus der Bürgerkapelle Gries/Bozen (schon damals eine der besten Musikkapellen Südtirols) hervorgegangen. Ich hatte das große Glück, eine gediegene Musikausbildung erfahren zu dürfen, die mit Abschlüssen in den Fächern Musikerziehung (Mozarteum in Salzburg) und Klarinette (Konservatorium in Bozen) vorerst endete. Nachher bildete ich mich noch in Blasorchesterleitung bei Henk van Lijnschooten und in Chorleitung bei Helmut Rilling fort. Meine musikalische Vielseitigkeit bestand und besteht zum Teil immer noch aus folgenden Tätigkeiten: Musikschulleiter, Kapellmeister, Chorleiter, Landeskapellmeister, Mitarbeiter der RAI-Bozen, Komponist von Werken verschiedenster Besetzungen und Autor von Büchern und Fachartikeln.

2. Warum sollte jemand Komponist werden? Warum sind Sie es geworden?

Musik hat für mich eine fast magische Anziehungskraft: Das Musikhören ist schön, das vokale oder instrumentale Musizieren ist schöner, aber das Kreieren von Musik ist das Schönste. Ich habe als ganz junger Klarinettenschüler bereits ?komponiert?. Als ich dann Musik studierte (u. a. bei Cesar Bresgen in Salzburg und bei Andrea Mascagni in Bozen) war die Freude am Kreativen nicht mehr aufzuhalten. Deshalb kann ich heute im Rückblick sagen: ?Ich wollte nicht Komponist werden, ich bin es einfach geworden!? Aus diesem Grunde möchte ich auch nur solchen Musikern empfehlen, Komponisten zu werden, die eine Veranlagung zur Kreativität von Natur aus in sich haben.

3. Welches Werk der Musikgeschichte hätten Sie gerne komponiert? Warum?

Die klassische Frage würde eigentlich lauten: ?Welche drei Werke der Musikgeschichte hätten Sie gerne komponiert?? Diese Fragestellung hätte die Antwort schon um einiges erleichtert! Nun, wenn ich mich schon für ein einziges Werk entscheiden muss, dann fällt das Los auf die ?Hohe Messe in h-moll? von Johann Sebastian Bach. Johann Sebastian Bach ist für mich das größte musikalische Vorbild, da es ihm gelungen ist, nicht nur das bereits vorhandene kompositorische Material zu einem exemplarischen Höhepunkt zu führen, sondern gleichzeitig stilistisch noch weit in die Zukunft hinein zu schreiben. Gerade auch in seiner ?Hohen Messe? (komponiert von 1733 bis 1738) hat dieser protestantische Kantor den katholischen Messtext so großartig vertont, dass eine künstlerische Steigerung eigentlich nicht mehr denkbar ist. Seien es die vielschichtigen Chorfugen (?Bach dache in Fugen?), die weitgespannte Stimmungswelt des ?Gloria?, die beredten Gesangssoli, das bildhafte ?Sanctus? oder die facettenreiche Orchestrierung, alles Musik von erhabenen Größe!

4. Welches Musiker-Klischee ist Ihnen das liebste? Warum?

Eigentlich ist es schade, dass es auch in der Musik und bei den Musikern so etwas wie Klischees gibt. Denn unter ?Klischee? versteht man ja ?Abklatsch?, ?eingefahrene Vorstellung?, ?abgedroschene Redewendungen? u. s. w. Deshalb würde ich alles dafür tun, damit ?Musiker-Klischees? zumindest reduziert, oder - noch besser - überhaupt ihre Existenz verlieren würden.

5. Was wünschen Sie sich, was die Musikwelt in 20 Jahren über Sie sagen soll?

Es wäre schön, wenn die sogenannte ?Musikwelt? mich und meine Kompositionen in 20 Jahren noch nicht ganz vergessen hätte. Die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit spürt man nämlich auf dem Gebiet der Blasorchestermusik besonders deutlich. Wünschen würde ich mir, nicht ?klischeehaft? als der Komponist des ?Reich der Dolomiten? eingeordnet zu werden. Denn meine Vielseitigkeit geht auch aus den kompositorischen Werken hervor, die vom heimatverbundenen ?Schloss Tirol? über die volksmusikalische ?Böhmische Rhapsodie? bis hin zum zeitgenössischen ?Das Weltgericht? reicht. Auf dem Gebiet der Ensemblemusik ist die stilistische und besetzungsmäßige Bandbreite meiner Stücke noch bedeutend breiter gefächert. Das größte Kompliment für mich wäre allerdings, wenn die sogenannte Musikwelt sagen würde: ?Er hat als Mensch und Musiker etwas bewegt?.

Infos: www.gottfriedveit.it

 

  • 12.07.2010
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