5 Fragen an die Brass Band Sachsen

  • 22.04.2015
  • 5 Fragen an
  • Cornelia Härtl

Von 1. bis 3. Mai finden die European Brass Band Championships in Freiburg statt. Im Vorfeld stellt CLARINO die sechs deutschsprachigen Teilnehmer des Wettbewerbs in kleinen Interviews vor. Die Brass Band Sachsen nimmt an dem Wettbewerb in der Challenge Section teil. Wir sprachen mit Projektleiter Sören Hofmann über die Faszination, die das Phänomen Brassband auf ihn hat.

CLARINO: Was hat sich Brass Band Sachsen bzw. was haben Sie sich persönlich in Freiburg vorgenommen? Was tippen Sie denn, wer gewinnt?

Sören Hofmann: Die Teilnahme an der Europäischen Brass Band Meisterschaft 2015 in Freiburg ist für beinahe alle Musiker der Brass Band Sachsen der Höhepunkt ihrer bisherigen musikalischen Laufbahn, und für den Großteil auch die Erfüllung eines heimlichen, lang gehegten Traumes.

Die Band und ihr Dirigent haben sich für Freiburg natürlich vorgenommen ihr Bestes zu geben und richten alle Vorbereitungen darauf aus, am Samstag auf den Punkt konzentriert aufzuspielen. Sollte uns das gelingen und sollten wir mit unserer Performance das Publikum und die Juroren begeistern, dann wären wir schon sehr glücklich.
Einen Tipp abzugeben, wer denn gewinnen könnte ist schwierig – wir sind uns sicher, dass sich alle Bands tiptop vorbereitet der Jury stellen werden. Es wird keine Band geben, die Zweifel an ihrer Erstklassigkeit aufkommen lassen wird. Am Ende wird werden es Nuancen sein, die hier exzellente Vorträge von erstklassigen unterscheiden werden.

Wie bereitet ihr euch auf die EBBC konkret vor?

Da wir eine Projektband sind, proben wir nur fünf Wochenenden pro Jahr. Jeder, der in einer wettbewerbsorientierten Brassband spielt weiß, dass diese geringe Anzahl an Proben ein riesiger Nachteil ist, denn entscheidend ist stets ein gutes Zusammenspiel. Ein gutes Zusammenspiel kann natürlich immer erst dann entstehen, wenn man oft und gut zusammen musiziert. Deshalb ist bei der Vorbereitung auf die Europameisterschaft jeder einzelne Musiker gefordert, eine harte und zielorientierte Vorbereitungsphase zu absolvieren, damit wir gemeinsam mit unserem Dirigenten an nur einem Wochenende Ende April die Arbeit an beiden Wettbewerbsstücken zum Abschluss bringen können.

Wann wurde die Brass Band Sachsen gegründet, wie viele Musiker spielen mit und was sind die größten Erfolge der Brassband?

Die Brass Band Sachsen gibt es ganz offiziell seit 2010 – das heißt wir haben in diesem Jahr ein kleines Jubiläum. Damals starteten wir mit zwei Probenwochenenden pro Jahr. Über die Jahre wurden daraus vier Wochenenden, zum Schluss fünf. Die Brass Band Sachsen spielt in der angelsächsichen Originalbesetzung auf, das heißt ganz traditionell mit 28 Musikern. Auch das Instrumentarium ist durchweg Brass Band Instrumentarium. Lediglich für die bevorstehende Europameisterschaft haben wir unser Team geringfügig aufgestockt.

Durch rege Besuche von Brassband-Wettbewerben (als Zuschauer) seit 2003 war vielen klar, dass es vor allem diese Wettbewerbe sind, die – neben dem bezaubernden Klang - die Begeisterung für diese Besetzungsform entfachen. Aus diesem Grund stellte sich die damals erst drei Jahre junge Brass Band Sachsen bei dem 1. German-Open-BDMV-Brass Band Wettbewerb der Jury. Mit Erfolg: Wir konnten uns den 1. Platz in der Kategorie 4 sichern. 2014 nahmen wir an der Deutschen Brass Band Meisterschaft teil und konnten uns in einem mit insgesamt zehn Teilnehmern sehr starken Feld durchsetzen und erreichten auch dort den 1. Platz in unserer Kategorie. Und so kam es, dass wir eingeladen wurden, Deutschland in der Challenge Section zu vertreten – es ist wie ein kleines Brass-Band-Märchen – in unserem Fall aber alles wahr.

Wie ist Ihre persönliche Beziehung zur Besetzungsform Brassband? Wann kamen Sie damit erstmals in Kontakt? Wieso Brassband und nicht Blasorchester?

Für mich ist die Brassband Lebenselixier – das Musizieren in dieser Besetzungsform, der homogene, absolut reine Klang, seine Wirkung auf Musiker und Zuhörer usw. ist etwas, was mich seit meiner Jugend in den Bann gezogen hat und seitdem fesselt. Neben einer Menge an CDs und Hörbeispielen war es vor allem der Besuch der WMC 2001 in Kerkrade, wo ich erstmals eine Brassband live hörte. Der Besuch des Swiss-Open im KKL und das Galakonzert der Black Dyke Band am Abend hatten fatale Auswirkungen (im positiven Sinne), denn da hat mich das sogenannte "Brassband-Virus" gepackt.

Ich glaube ohne diesen magischen Moment in 2003 würde ich heute vermutlich nicht mehr musizieren. Aber es war nicht nur die Musik allein – ich habe vor 2001/2003 keine so begeisterungsfähige und leidenschaftliche Zuhörerschaft erlebt, wie damals. Und seitdem immer wieder bei Brassband-Wettbewerben und Konzerten. Seit damals weiß ich auch, dass es ganz und gar nicht normal ist, dass bei Wertungsspielen kaum bzw. keine Zuhörer im Raum sitzen. Die Interaktion zwischen Darbietenden und Zuhörerschaft ist bei Brassband-Wettbewerben einzigartig.

Ich selber bin heute Dirigent eines Blasorchesters und mag auch diese Besetzungsform sehr – durch die Vielzahl an verschiedenen Instrumenten können durch geschickte Pinselschwünge farbenreichere Klanggemälde entstehen. Beide Besetzungsformen haben aber ihren Reiz und ich denke, dass sich beide Besetzungsformen sehr gut ergänzen, denn welches Blasorchester kann auf ein ausgezeichnetes Blechregister verzichten?

Mit dem Schotten Eoin Tonner haben Sie ja einen Dirigenten aus dem Heimatland der Brassband vorzuweisen. Sehen Sie darin einen Vorteil?

Eoin Tonner ist ein herausragendes Talent und einer der gefragtesten Nachwuchsdirigenten in ganz Großbritannien. Und das mit erst 22 Jahren. Dieser Fakt allein genügt aber nicht – dass, was Eoin Tonner zu UNSEREM Dirigenten macht, ist die Art, wie die Band und er miteinander harmonieren. Er kennt Stärken und Schwächen aller Spieler genau und weiß, wie er die "große beseelte Orgel" registrieren muss. Toller Klang allein wird in Freiburg nicht genügen – aber hoffentlich begeistern.

 

Das Thema Brassband war übrigens der Schwerpunkt in der CLARINO 3/2015. Alle sechs Schwerpunkt-Artikel können Sie hier als Sammlung herunterladen. CLARINO führte außerdem ein Interview mit dem Komponisten Rolf Rudin über das Pflichtstück in der Championship Section ("The God Particle")

« zurück