Emily Beynon hat das letzte Wort

  • 23.01.2014
  • Das letzte Wort

Die clarino-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal ­andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, statt der Flöte die Trompete gewählt zu haben?

Ich glaube, das habe ich mir noch nie gewünscht. Ich glaube auch nicht, dass die Trompete überhaupt zu mir passen würde!

Wann war das letzte Mal, dass Sie jemand auf walisisch angesprochen hat?

Meine Eltern sprechen walisisch. Leider habe ich es nie gelernt. Meine Eltern sprechen manchmal walisisch miteinander, wenn meine Schwester und ich nicht verstehen sollen, worum es geht. Ich habe Weihnachten mit meinen Eltern verbracht – und da war es natürlich sehr nützlich, eine »Geheimsprache« zu haben...

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein Werk einstudiert haben, das für Sie geschrieben wurde?

Im Oktober 2013 habe ich ein Recital für die British Flute Society gespielt, das zwei Werke enthielt: John Woolrichs »Darker Still« und Sally Beamishs »Words for my Daughter«. Obwohl ich Letzteres 1996 erstmals spielte und 2007 sogar aufnahm, war es das erste Mal, dass Andrew West – mein Duett-Partner – und ich es gemeinsam gespielt haben. »Darker Still« haben wir vor über zehn Jahren schon mal gespielt, aber es ist großartig, es wieder einmal zu spielen und es noch tiefer wiederzuentdecken... 

Im Mai 2012 habe ich ein neues Concerto des norwegischen Komponisten Flint Juventino Beppe mit dem Philhar­monia Orchestra unter Leitung von Vladimir Ashkenazy aufgenommen. Wir hatten nur eine einzige großartige Proben-Aufnahme-Session, aber alles war wunderbar und die Scheibe ist kürzlich erschienen – auf CD, Blu-ray audio und auch auf Vinyl.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ka­raoke gesungen haben?

Ingesamt habe ich das überhaupt erst einmal gemacht und das war auf meiner ersten Japan-Tournee mit dem Concert­gebouw Orchestra. Das muss so etwa 1996 gewesen sein.

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Gerade sind Weihnachten und Neujahr vorbei – und das sind oft sehr emotionale Momente. Ich verdrücke schon mal ein oder zwei Freudentränen, weil ich so glücklich darüber bin, diese speziellen Momente mit meinen Liebsten zu verbringen. Und auch eine Träne der Traurigkeit für jene, die diesen Moment nicht länger mit uns teilen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie von ­einem Schüler mehr gelernt haben als Sie ihm beibrachten?

Kürzlich gab ich einem Saxofonisten eine Stunde in Bach (die Partita und die Solo-Sonata von Carl Philipp Emanuel Bach) und ich fand das wirklich faszininerend.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in Swansea waren?

Es ist einige Zeit her, aber nun freue ich mich auf den März. Dann werde ich nämlich mit dem BBC National Orchestra of Wales spielen!

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich mit einem Dirigenten gestritten haben?

Ich bin nicht wirklich ein streitbarer Typ und normalerweise genieße ich die Herausforderung, die Ideen des Dirigenten zu meinen eigenen zu machen, auch wenn ich nicht – oder gerade dann – derselben Meinung bin.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Illegales getan haben?

Ich bin ein bisschen unartig, wenn es darum geht, bei Rot an der Ampel zu warten, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Aber ich finde es albern zu warten, wenn niemand kommt. Ich bin sehr vorsichtig und in keiner Weise ein Draufgänger!

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Nacht durchgemacht haben?

Wahrscheinlich früher in meiner Jugend­orchester-Zeit... Ist also ein paar Jahre her...

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Kollegen beneidet haben?

Ich war kürzlich im Urlaub in Neuseeland und habe einen Flötisten eines Orchesters dort getroffen. Ich beneidete ihn, dass er in einem solch sagenhaft schönen Land lebt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem »Coffeeshop« in Amsterdam waren?

Ich gestehe: Ich war da bislang noch nie!

Wann war das letzte Mal, dass Sie an Friedrich den Großen dachten?

Ich habe kürzlich ein Programm für die Kammermusikserie des Concertgebouw geplant, das sich um Carl Philipp Emanuel Bach dreht. Das regte mich dazu an, das Buch »Evening in the Palace of Reason« von James Gaines noch einmal zu lesen. Es handelt davon, wie Johann Sebastian Bach Friedrich den Großen in Potsdam besucht. Ein faszinierendes Buch!

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein Chicken Tikka Masala gegessen haben?

Noch nie! Ich bin Vegetarierin/Pescetarierin, seit ich neun oder zehn Jahre alt bin.

Emily Beynon ist Soloflötistin des Royal Concertgebouw Orchestra in Amsterdam. Geboren in Swansea (Wales), begann sie ihr Querflötenstudium am Royal College of Music bei Margaret Ogonovsky und ging dann zu William Bennett an die Royal Academy und zu Alain Marion nach Paris. Sie hat mit zahlreichen Orchestern konzertiert. Als Kammermusikerin arbeitet sie regel­mäßig mit ihrer Schwester, der Harfenistin Catherine Beynon, und dem Pianisten Andrew West zusammen. Emily Beynon ist eine begeisterte Interpretin neuer Musik und für sie wurden viele neue Werke geschrieben. Universal Edition hat kürzlich das Buch »Flute Project: new pieces for ­flute solo« herausgegeben. Als leidenschaftliche und engagierte Lehrerin wird Emily Beynon regelmäßig eingeladen, Meisterkurse in der ganzen Welt zu geben. 2009 hat sie die » Nederlandse Fluit Aca­demie« gegründet. Und CDs von ihr gibt’s natürlich auch.

www.emilybeynon.com

« zurück