Alexandra Lehmler hat das letzte Wort

  • 19.02.2014
  • Das letzte Wort

Die clarino-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal ­andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie gewünscht hätten, ein anderes Instrument gelernt zu haben?

Das ist ein ganz wunderbares Instrument. Ich habe mir eigentlich noch nie gewünscht, ein anderes zu spielen. Ich würde sehr gerne aber auch richtig – also nicht so dilletantisch, wie ich es tue – Klavier spielen können. Und Schlagzeug spielen können wäre auch toll!

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?

Im letzten Sommer mit Mann und Kindern im Süden Frankreichs. Das war wunderbar. »So richtig« Urlaub wäre viel mehr, wenn man einfach mal alle Telekommunikationsgeräte ausschalten würde. Aber das traue ich mich nicht – man könnte ja ein tolles Konzertangebot verpassen... Das ist Quatsch, und das muss sich ändern!

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, in einer anderen Zeit ge­boren zu sein?

Vor ein paar Tagen habe ich einen Film über Berlin in den 20ern gesehen. Ich hätte das Leben zu dieser Zeit in Berlin gerne persönlich erlebt. Manchmal frage ich mich auch, wie es wohl gewesen wäre, in den 70ern das zu tun, was ich jetzt tue?

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Oh, ich bewege mich ständig am Rande der Legalität. Gerade erst war ich unaufmerksam und habe mich erwischen lassen, als ich bei Rot über die Ampel gefahren bin – mit dem Fahrrad. Das war teuer und gab einen Punkt. Beim nächsten Mal fahre ich doch wieder auf dem Gehweg – was sehr zu empfehlen ist, wenn man in der Stadt nicht unter die Räder kommen will!

Wann war das letzte Mal, dass Sie jemanden um ein Autogramm gebeten haben?

Das war mit 18. Da habe ich Maceo Parker um ein Autogramm gebeten. Wir haben dann auch noch ein sehr schönes Foto gemacht, was heute immer noch für großes Gelächter sorgt. Ich glaube, wegen meiner merkwürdigen Kleidung.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Rat von Matthias Debus nicht befolgt ­haben?

Es liegt in meiner Natur, dass ich jemanden um Rat frage und dann das Gegenteil mache. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, und außerdem werde ich älter und vernünftiger und lerne, auf andere Menschen zu hören.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Musik-Kollegen beneidet haben?

Neid ist sehr destruktiv. Er macht jegliche Kreativität kaputt. Man muss den Neid umdrehen und in positive Energie umwandeln. Trotzdem beneide ich hin und wieder auch mal jemanden. Heute morgen habe ich gelesen, dass ein Kollege gerade nach Korea geflogen ist und dort ein kleine Tour spielt. Da habe ich mir gedacht: »Da wäre ich jetzt auch gerne!«

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich selbst gegoogelt haben?

Ich habe einen Google-Alert eingestellt. (lacht)

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihren Kindern erklären mussten, was Sie eigentlich beruflich machen?

Sie erleben das, was wir machen, jeden Tag seit ihrer Geburt. Ich muss es ihnen nicht erklären, es ist selbstverständlich. Noch finden sie das alles toll. Sie mögen auch unsere Musik gerne und singen unsere Stücke mit. Mal schauen, wie lange das so bleibt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Blasorchester/einer Bigband/einem Jazzorchester mitgespielt haben?

Das ist leider ein paar Jahre her. Wann es war, kann ich gar nicht mehr sagen. Hin und wieder spiele ich als Aushilfe irgendwo mit. Ich würde wirklich sehr gern mal wieder Bigband spielen, aber leider gibt es nicht so viele Gelegenheiten dazu.

Wann war das letzte Mal, dass Sie so richtig sauer waren?

Heute noch nicht, aber wahrscheinlich gestern. So schnell wie es kommt, geht es auch wieder... manchmal.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gegen oder für etwas demonstriert haben?

Das weiß ich nicht mehr so genau. Als ich das letzte Mal zu einer Demo gehen wollte, habe ich es nicht getan. Es hatte sich schon abgezeichnet, dass es auch zu Auseinandersetzungen kommen könnte. Das war mir dann zu gefährlich für meine Kinder. Heutzutage demonstriert man ja im Internet, und man unterschreibt Petitionen, wenn man etwas unterstützen oder erreichen möchte. Eigentlich ist das sehr schade, denn die Macht einer Menschenmasse ist doch etwas sehr Beeindruckendes.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ka­raoke gesungen haben?

2001 in einem englischen Pub. Ich vermute, es war viel Alkohol im Spiel...

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich fragten »What’s Next?«

Ständig!

Alexandra Lehmler

Aus Alexandra Lehmler wäre sicherlich auch eine ausgezeichnete Pianistin geworden, wenn nicht der Opa das Klavier zu Brennholz zerhackt hätte. Also musste sie sich für ein anderes Instrument entscheiden und entflammte als achtjähriges Mädchen für das Saxofon. Davon waren aber die Eltern erst mal gar nicht begeistert und so musste die 1979 in Bad Ems an der Lahn Geborene »zur Strafe« erst mal fünf Jahre Klarinette lernen. Mit 13 Jahren ­durfte sie dann endlich mit ihrem Lieblings­instru­ment beginnen und erlernte neben Alt- und Sopransaxofon auch die Bassklarinette. Zeitgleich fasste sie selbstbewusst den Entschluss, Musik zu studieren. Sie spielte in den Landesjugendjazzorchestern Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sowie im Bundesjazzorchester. Zu Beginn ihres Studiums formierte Lehmler ihre Band. Nun erscheint das neue Album »Jazz, Baby!« beim Label JAZZNARTS RECORDS. Darauf entwickeln Alexandra Lehmler und ihr Quintett konsequent ihre Vorstellung von moderner, offener − und ja, cooler − Jazzmusik weiter.

www.alexandralehmler.de

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